¡No bien! – Part IV

Am Flughafen

Nach einer halben Stunde kam ein Pfleger in mein Zimmer und bat mich im Rollstuhl Platz zu nehmen. Er schob mich ca. 250m durch das Krankenhaus, wir holten den Arztbrief und er setzte mich am Haupteingang ab. Ich fragte ihn, ob er wüsste, wo die nächste Bank sei und ob er mich begleiten könne. Er willigte ein und wir gingen gemeinsam über die Straße. Nachdem keine meiner Karten funktioniert hat, trennten sich unsere Wege und ich ging Richtung Stadtzentrum Santa Marta.

Mein Ziel war die Reiseagentur, über die wir den Trip gebucht hatten. Die einzigen unbenutzten Kleidungsstücke waren ein schwarzer Nike-Pullover, eine schwarze Mesh Short, weiße Puma-Socken und meinen Grünen Marsiletten – ich sah aus wie der letzte Touri. Auf dem „Plaza de La Catedral Basilica“ traf ich zufällig das französische Pärchen, bei dem wir vor der Tour über AirBnB genächtigt hatten. Die beiden waren überrascht und sehr erleichtert, dass nichts Schlimmeres passiert sei. Ich bedankte mich, dass Claire unsere zweite Übernachtung von sich aus zurücküberwiesen hat, weil wir im Krankenhaus waren. Anschließend ging ich zu „Magic Tours Colombia“.

Man begrüßte mich herzlich und zeigt sich erleichtert. Für eine Firma, die Abenteuerreisen anbietet, wäre es sicherlich das Ende, wenn bei einer solchen ein Tourist stirbt, dachte ich mir.

Die Sekretärin erklärte mir, dass ich ein Tagegeld für den Krankenhausaufenthalt von der Versicherung bekommen würde – das Blatt schien sich zu wenden. Zudem wurden mir Medikamente bezahlt. Das Tagegeld belief sich für vier Tage auf umgerechnet vierzig Euro und mir wurde für irgendwas noch Geld gegeben, sodass ich zu meinen hundert Euro im Portemonnaie ungefähr sechzig Euro in Pesos hatte. Während die Frau sich um den Papierkram kümmerte, rief ich Valerie an. Wir schauten nach Flügen, aber alle Airlines wollten Kreditkarteninformationen hinterlegt haben, die wir nicht vorweisen konnten. Irgendwann gab ich es auf und sagte mir, dass ich es am Flughafen sicher schaffen würde einen Flug nach Bogotá bar zu ergattern.

Die Zeit wurde knapper. Mir blieben jetzt ungefähr vierundzwanzig Stunden, bis der Rückflug über Paris abgehen würde, aber ich hing in der Agentur fest. Nach einer weiteren halben Stunde Warten gingen wir gemeinsam zu einer Apotheke. Nachdem ihr auffiel, dass sie nicht genug Geld dabei hatte, holte sie welches aus dem Büro während ich wartete.

Wir aßen eine fettige Chorizo und auf dem Rückweg zum Büro gab sie mir den Tipp, dass der Bus zum Flughafen am Strand abfahren würde. Nach einem freundlichen „Aeropuerto?“ fuhr ich quer durch die Stadt, bis ich an einer mittelgroßen Turnhalle ankam – der Flughafen.
Links die Schalter, rechts ein Kiosk und am Ende des Raumes die Wechselstube. Mit schnellen Schritten näherte ich mich der Dame hinter der Scheibe, packte mein Portemonnaie auf den Tresen und wollte gerade anfangen zu sprechen, als sie mich unterbrach – „Sorry, it’s closed“. Wut staute sich auf und mir fielen viele Dinge ein, die ich ihr gerne an den Kopf geworfen hätte, aber ich sparte es mir. Ein Glück, wie sich später rausstellte. Die Dame entschuldigte sich, wies mich ab und machte sich bereit für ihren Feierabend. Ich ging mit fahlem Grinsen zum Geldautomaten und tat so, als hätte sich der Zustand des leeren Kontos verändert.

Nach einigen gescheiterten Versuchen hörte ich eine Stimme – es war die Dame aus der Wechselstube. Und neben ihr ein Mitarbeiter der Fluggesellschaft LATAM. Es dauerte einen Moment bis ich verstand. Er bot mir an sein Geld zu tauschen, sodass er es am Tag darauf bei ihr wechseln kann. Sein Kurs war schlechter und die Möglichkeit abgezogen zu werden war groß. Die Wahrscheinlichkeit auf eine andere Weise an Geld zu gelangen gleich null. Ich willigte ein. Er gab mir 270.000 Pesos, ich ihm einhundert Euro und ein herzliches Dankeschön.
Das Glück stand mir ins Gesicht geschrieben, als ich mich der Warteschlange von Avianca anschloss. Nach einer Viertelstunde schoss mein zurechtgelegter Satz aus mir heraus: „La proxima vuelo a Bogotá, por favor!“. Die blond gefärbte Dame hinter dem Schalter warf mir ein freundliches „Si,claro.“ entgegen und fing an einen Flug rauszusuchen. Sie drehte den Bildschirm und deutete auf den Preis von 640.000 Pesos – ich hatte 370.000. Kurzes Schlucken, dann fragte ich sie, ob es auch günstiger gehe. „Si claro!“ – 469.000. Ich nickte dankend ab und verließ die Schlange (ha ha).
Das WLAN war zwar schlecht, aber wenigstens konnte ich Valerie über Whatsapp anrufen. Wir besprachen uns kurz und legten auf. Eine halbe Stunde später rief sie zurück und sagte, dass ihre Tante das per Kreditkarte bezahlen würde. Wieder ging ich zum Schalter, wartete ein paar Minuten und zeigte derselben Dame eine Art Buchungsbestätigung, die ich per E-Mail bekommen habe. Sie versuchte alles, aber irgendetwas schien nicht zu funktionieren.

Die Zeit rannte. Flüge starteten und mittlerweile gab es nur noch drei Flüge in die Hauptstadt, mit denen ich es rechtzeitig schaffen würde. Wir schauten auch nach Busreisen und anderen Optionen, aber es gab keine.
Ich ging zum Schalter und erzählte, dass ich mit meiner Bank gesprochen hätte und meine Karte jetzt freigeschaltet worden wäre. Das ergab zwar keinen Sinn, aber ich wollte es nicht unversucht lassen meine Karte ein zweites Mal durch zuziehen. Die Frau gab erneut alle Daten ein, nahm meine Karte und bat mich den PIN einzugeben. Es passierte nichts. Dann kam eine Fehlermeldung und unsere Blicke kreuzten sich. Ich zog aus Verzweiflung mein letztes As aus dem Ärmel – meinen Charme und ihre Empathie.
Ich legte meine Brieftasche auf den Tisch und fing an sie systematisch auszuräumen während ich ihr (der Frau) flehend verdeutlichte, dass ich unbedingt diesen Flug nehmen muss und das alles ist, was ich bei mir habe. Es folgte ein weiterer intensiver Augenkontakt. Plötzlich wandte sie sich ab und fing an auf die Tastatur einzudreschen und den Flug gnadenlos zu rabattieren. Ein weiterer Blick. Sie griff in ihre Hemdtasche und zog einen Schein heraus, nahm mein Geld und verschwand im hinteren Raum.
Einige Momente später hielt ich meinen Boardingpass in der Hand und wusste nicht wohin mit meinen Gefühlen.

Ende

Skinny

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