Das menschliche Gehirn ist trotz jahrelangen Bemühens immer noch das größte Geheimnis unseres Körpers. Obwohl wir inzwischen technisch in der Lage sind selbst die kleinsten molekularen Bestandteile des Gehirns bildlich darzustellen, befinden wir uns noch weit am Anfang auch nur einen Bruchteil der genauen Funktionsweise zu verstehen.
Stark vereinfacht erklärt, besteht das zentrale Nervensystem -also Gehirn und Rückenmark- aus Neuronen und Gliazellen, wobei Gliazellen der Oberbegriff für viele verschiedene Zellarten sind, die im wesentlichen Stütz-, Ernährungs- und Immunfunktionen haben.
Jedes Neuron steht mit einer sehr großen Anzahl anderer Neuronen über sogennante Dendriten und Axonen in Verbindung. Innerhalb der Nervenzellen werden Reize über elektrische Impulse, sogenannte Aktionspotenziale weitergeleitet. Beim Übergang von einer Nervenzelle auf eine Andere wird aus dem elektrischen Signal ein chemisches. Dieser Übergang besteht aus einem winzigen Spalt zwischen den Nervenzellen. Je nachdem wie stark das Aktionspotenzial am Spalt eintrifft wird eine unterschiedliche Menge an Neurotransmitter ausgeschüttet. Diese binden dann an spezifische Rezeptoren an der anderen Seite des Spaltes und induzieren dort wieder ein Aktionspotenzial, womit nun das Signal von der einen, auf die andere Nervenzelle übertragen wurde. Das Problem ist, dass auch wenn wir den genauen Mechnismus zwischen einzelnen Neuronen sehr gut studiert haben, wir das nur schwer auf eine große Population anwenden können.
Das Gehirn ist in verschiedene funktionelle Bereiche eingeteilt. So gibt es zum Beispiel den sogenannte Motorkortex, eine Region die für die Einleitung von Bewegungen zuständig ist. Im präfrontalen Kortex, also der Hirnregion direkt „hinter der Stirn“, sitzen kognitive Funktionen wie Impulskontrolle, strategisches Denken und Problemösung. Herausfinden konnte man das, indem man Personen untersucht hat, bei denen diese Regionen durch ein Trauma lädiert wurden. Der erste Mensch, der auf diese Art untersucht wurde, war Phineas Gage. Gage war ein Bahnarbeiter im 19. Jahrhundert, dem bei einer Sprengung eine 1,10m lange und 3cm dicke Eisenstange von unten durch das Gehirn getrieben wurde. Einige Wochen nach dem Unfall hatten sich seine Wahrnehmung und Intelligenz zwar wieder regeneriert, dafür kam es jedoch zu auffälligen Persönlichkeitsveränderungen. Vor dem Vorfall wurde er als ein ruhiger und besonnener Mensch beschrieben. Dies änderte sich jedoch drastisch. Fortan wurde er zu einem impulsiven, unzuverlässigen Menschen, der immer wieder Wutanfälle bekam. Somit hatte Gage einen tragischen Verdienst für ein besseres Verständnis der Funktionsweise unseren Gehirns geliefert.
Die Grundlage für unser Denken, Handeln, unserer Persönlichkeit und alles was uns ausmacht, beruht also letztendlich nur auf der Übertragung von elektrischen Impulsen. Selbstverständlich habe ich hier nur einen groben Überblick über die Physiologie des Gehirns liefern können. In Wirklichkeit ist der ganze Sachverhalt natürlich noch viel komplexer. Doch finde ich es interessant sich klar zu machen, dass wir Menschen die einzigen Lebewesen sind, die sich überhaupt Gedanken machen können über den Ursprung unseres Bewusstseins.
Bärtig
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