Aquaponik beschreibt ein System der Agrarwirtschaft, bei dem ein geschlossener Kreislauf zwischen Fischzucht (Aquakultur) und Pflanzenaufzucht ohne Erde (Hydroponik) erreicht wird. In der Theorie liefern die flüssigen Ausscheidungen der Fische nach Aufbereitung durch Bakterien die Nährstoffe für die Pflanzen. Die Pflanzen hingegen reinigen das Wasser, welches nun dem Fischtank zugeführt wird. Somit haben die Pflanzen einen nicht endenden Nährstoffzugang und die Fische stets frisches Wasser.
Auch in der Praxis funktioniert es hervorragend, wie es etliche Farmen beweisen konnten. Hauptsächlich werden Zierfische und afrikanische Buntbarsche (Tilapia) für die Fischzucht genutzt. Bei den Pflanzen wird vor allem die Tomate und anderes Gemüse, sowie Kräuter (Basilikum) verwendet. Persönlich denke ich, dass es weitaus sinnvoller ist Speise- anstatt Zierfische zu züchten.
Vor allem der Nachhaltigkeitsgedanke steht bei vielen Farmen im Vordergrund. Dafür sprechen vor allem in urbanen Gebieten die kurzen zurückzulegenden Wege zum Endverbraucher, der niedrige Wasserverbrauch und die häufig vertretene Nutzung erneuerbarer Energien. In Verbindung mit „vertical gardening“ ist es zudem möglich riesige Flächen auf engem Raum zu bewirtschaften.
Mittlerweile gibt es auf jedem Kontinent, bis auf Antarktika, Aquaponik-Projekte. Bisher findet man jedoch vornehmlich Start-Ups, welche diese Form der Landwirtschaft praktizieren. Es scheint, als vertrauen große Bauern und Unternehmen weiterhin auf Monokulturen. Notwendigerweise muss auf diesem Gebiet sowohl theoretisch als auch praktisch weiter geforscht werden, um in Zukunft auch die Agrarriesen von diesem Konzept zu überzeugen.
Warum ist Aquaponik also ein großer Schritt in Richtung Zukunft?
Ich denke, dass durch die weltweit steigende Wasserknappheit (Trinkwasser) mit Hochdruck an Alternativen gearbeitet werden muss. Durch die Wiederaufbereitung des Wassers durch Pflanzen mithilfe des Umwälzsystems, hat man es in Frankreich bereits geschafft den Verbrauch um das Zehnfache zu senken.
Die globale Überfischung ist bereits schuldig für die weitreichende Zerstörung vieler Lebensräume. Verantwortungsvolle Fischzucht ist planbarer und kann zur Erholung der Ozeane führen.
Das System Aquaponik kann flexibel sowohl im Gewächshaus, als auch unter freiem Himmel angewandt werden. Ertragreicher und weniger anfällig für Insekten oder andere Umwelteinflüsse ist das Gewächshaus. Außerdem denke ich, dass ausgetüftelte Anlagen in jeder Klimazone entstehen und somit die Verfüg- und Leistbarkeit garantieren können. Wie bereits erwähnt sind die kurzen Wege vom Erzeuger zum Konsumenten in urbanen Gebieten ein Schritt zu frischem Obst und Gemüse und haben das Potenzial den Welthandel grundlegend zu verändern. Möglicherweise können wir dann auf gespritzte Lebensmittel vom anderen Ende der Welt verzichten.
Bis hin zur perfekt nachhaltigen Anlage ist es trotz all der Vorteile ein weiter Weg! Kritisch betrachte ich vor allem die Energieeinspeisung in den Kreislauf. Öl und Gas sind fossil und fallen daher weg. In der Stadt fällt die Windenergie aufgrund der Größe der Anlagen aus – es bleibt die Solaranlage. Mein Problem dabei ist die Verwendung seltener Erden. Hier mag die Energie zwar sauber und „grün“ sein, in Afrika oder China hingegen sind die Bedingungen der Minenarbeiter, sowie die massive Verschmutzung der Umwelt miserabel. Bis eine hundertprozentig nachhaltige Energieversorgung gewährleistet werden kann, ist die Solarenergie neben dem Dynamorad, trotz Kritik die beste Variante.
Als letzten Fehler im System sehe ich den Fischdünger. In vielen Berichten wird von Biodünger aus sogenannten Pellets gesprochen, welcher hauptsächlich aus Soja, Mais und Mineralien besteht. Soja und Mais können weltweit angebaut werden, aber das geschieht größtenteils in Monokulturen, die wiederum der Umwelt schaden. Es sollte daher angestrebt werden die Herstellung des Fischfutters in die Aquaponik-Farm mit zu integrieren, um das zu vermeiden.
Es ist nur zu hoffen, dass weiter geforscht wird und aquaponische Farmen den Weg vom Hinterhof in die kommerzielle Landwirtschaft finden.
Breit
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